Imkerei allgemein

Bienen, Honig und die Frage, was Imkerei für Natur und Tiere bedeutet.

Auf dieser Seite beantworten wir Fragen, die uns immer wieder gestellt werden, von den Grundlagen bis zu kritischen Einwänden.

Grundlagen

Das Bienenvolk

Wie ist ein Bienenvolk aufgebaut?

Ein Honigbienenvolk ist ein eng zusammenarbeitender Staat aus drei Gruppen:

  • Eine Königin: Sie legt die Eier und wird etwa 5 Jahre alt.
  • Arbeiterinnen: Je nach Jahreszeit sind es 5.000 bis 50.000 Tiere. Im Sommer leben sie etwa 42 Tage, Winterbienen etwa 200 Tage. Sie sammeln, bauen Waben, füttern die Brut und verteidigen das Volk.
  • Drohnen: Das sind die männlichen Bienen. Es gibt 0 bis 2.000 von ihnen, und sie leben nur im Sommerhalbjahr (etwa 40 Tage).
Wie überwintern Honigbienen?

Im Winter stellt das Volk die Brut ein und bildet eine Wintertraube. Die Königin sitzt in der Mitte, die Bienen rotieren innerhalb der Traube, und die Traube wandert an den Futterwaben entlang. Im Zentrum liegt die Temperatur auch im Winter bei etwa 22 °C.

Warum sind Honigbienen wichtig?

Honigbienen bestäuben Obst, Raps und viele Wildpflanzen. Eine Übersichtsarbeit von Klein et al. (2018) mit 203 Studien kam zu dem Ergebnis, dass die Honigbiene weiterhin der wichtigste Bestäuber ist. Sie wird in 164 dieser Studien genannt. Wildbienen sind für eine stabile Fruchtbildung ebenfalls wichtig. Beide Gruppen ergänzen sich.

Eine ältere Zusammenstellung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages (2008) nennt für Deutschland eine Wertschöpfung von 2 bis 4 Milliarden Euro jährlich durch die Bestäubung von Honigbienen und bezeichnet die Honigbiene als drittwichtigstes landwirtschaftliches Nutztier nach Rind und Schwein.

Honig

Vom Nektar ins Glas

Was ist Honig eigentlich?

Die Honigverordnung definiert Honig als natürlich süßen Stoff, den Honigbienen aus Nektar oder Pflanzensekreten erzeugen und der in den Waben reift. Ein Bienenvolk liefert in Deutschland laut Deutschem Imkerbund etwa 20 bis 30 Kilogramm Honig pro Jahr.

Was muss Honig erfüllen, damit er Honig heißen darf?

Die Honigverordnung legt Mindestanforderungen fest, unter anderem:

  • Dem Honig dürfen keine anderen Stoffe als Honig zugefügt werden.
  • Pollen und andere honigeigene Stoffe dürfen ihm grundsätzlich nicht entzogen werden.
  • Der Wassergehalt darf höchstens 20 % betragen. Für Heidehonig und Backhonig gelten höhere Grenzen.
  • Der HMF-Gehalt (ein Maß für Alter und Erhitzung) darf in der Regel höchstens 40 mg/kg betragen.
  • Blütenhonig muss mindestens 60 g Fructose und Glucose pro 100 g enthalten.

Unsere Mitglieder, die den Gewährverschluss des Deutschen Imkerbundes nutzen, erfüllen zusätzlich dessen strengere Qualitätsvorgaben.

Wie viel Honig essen wir, und wie viel kommt aus Deutschland?

Nach Angaben des Deutschen Imkerbundes werden in Deutschland etwa 1 Kilogramm Honig pro Person und Jahr verzehrt. Die heimische Honigernte von 15.000 bis 25.000 Tonnen deckt etwa 20 % des Verbrauchs. Den Rest decken Importe. Der Deutsche Imkerbund spricht in seinen Aufzeichnungen von etwa 143.000 Imkerinnen und Imker und etwa 964.000 Bienenvölker in Deutschland. Seine eigenen Mitglieder zählen 137.223 Personen mit 929.065 Völkern (Stand 2024).

Dürfen Babys Honig essen?

Nein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, Kindern unter einem Jahr keinen Honig zu geben. Honig kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten. Für Erwachsene und ältere Kinder sind sie unproblematisch. Bei Säuglingen kann die noch unreife Darmflora dagegen eine Besiedlung mit dem Bakterium zulassen, und es kann Säuglingsbotulismus auslösen.

Mythen und Fakten

Imkerei, Umwelt und Tierwohl

Wie werden Honigbienen auf den Winter vorbereitet?

Die Honigernte ist Teil der verantwortungsvollen Bienenhaltung. Imkerinnen und Imker entnehmen einen Teil des Honigs und achten dabei darauf, dass ihre Bienenvölker ausreichend versorgt bleiben. Da die Bienen auch im Winter Nahrung benötigen, wird der natürliche Futtervorrat nach der Honigernte bei Bedarf ergänzt. Dafür kommen beispielsweise Zuckerwasser oder spezieller Zuckersirup zum Einsatz.

Diese Form der Winterfütterung ist in der Imkerei weit verbreitet und wird unter anderem von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau beschrieben. Sie ermöglicht es Imkerinnen und Imkern, die Versorgung ihrer Völker gezielt sicherzustellen.

Grundsätzlich kann auch Honig als Winterfutter dienen. Dabei müssen jedoch einige Besonderheiten berücksichtigt werden: Je nach Herkunft und Zusammensetzung kann Honig Risiken bergen, etwa durch die Übertragung von Krankheitserregern oder einen erhöhten HMF-Gehalt. Auch die Verträglichkeit bestimmter Honigsorten spielt eine Rolle.

Ob Honig oder Zuckerfutter die bessere Wahl ist, hängt daher von verschiedenen Faktoren ab und wird unter Imkerinnen und Imkern unterschiedlich bewertet. Entscheidend ist, dass die Fütterung fachgerecht erfolgt und die Bedürfnisse des Bienenvolkes berücksichtigt werden.

Winterfütterung ist somit kein Zeichen dafür, dass Bienen schlecht versorgt werden, sondern ein etabliertes Verfahren der Imkerei, um den Völkern auch in der futterarmen Jahreszeit eine zuverlässige Nahrungsgrundlage zu bieten.

Ist Honig vegan?

Nach der gängigen Definition nicht. Die Vegan Society beschreibt Veganismus als Lebensweise, die so weit wie möglich und praktikabel jede Form der Ausbeutung von Tieren und der Grausamkeit gegenüber Tieren ausschließen will, und ernährungsbezogen als Verzicht auf alle Produkte, die ganz oder teilweise von Tieren stammen. Honig zählt sie dazu.

Das ist eine Frage der persönlichen Überzeugung, die wir respektieren. Wir möchten dazu beitragen, dass Menschen, die Honig essen, wissen, wie Honig entsteht und wie Imkerinnen und Imker mit ihren Bienen umgehen.

Verdrängen Honigbienen Wildbienen?

Honigbienen und Wildbienen nutzen teilweise dieselben Nahrungsquellen. Bei einer hohen Bienendichte und knappem Blütenangebot kann dadurch Konkurrenz entstehen. Studien zeigen jedoch, dass die Auswirkungen je nach Standort und Wildbienenart unterschiedlich ausfallen.

Gerade in der Hobbyimkerei, wie wir sie betreiben, stehen häufig nur wenige Bienenvölker auf einer größeren Fläche. Bei einem vielfältigen Blütenangebot sind das gute Voraussetzungen für ein friedliches Nebeneinander von Honig- und Wildbienen.

Zu den größten Gefahren für Wildbienen zählen vor allem der Verlust von Lebensräumen, fehlende Nistmöglichkeiten, Insektizide und Überdüngung. Entscheidend ist daher, die Artenvielfalt zu fördern und die Bienenhaltung an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen.

Honigbienen und Wildbienen können gut nebeneinander existieren. Eine blütenreiche Landschaft bietet beiden eine wichtige Lebensgrundlage.

Schützt Imkerei die Artenvielfalt?

Imkerei und Artenvielfalt ergänzen sich auf vielfältige Weise. Honigbienen leisten als Bestäuber einen wichtigen Beitrag zur Fruchtbildung vieler Pflanzen. Gleichzeitig benötigen Wildbienen und andere Insekten geeignete Lebensräume, ausreichend Nahrung und Nistmöglichkeiten.

Wer die Artenvielfalt fördern möchte, kann deshalb viel bewirken: durch heimische Blühpflanzen, offene Bodenstellen und den Verzicht auf unnötige Insektizide. Auch Imkerinnen und Imker können mit der Gestaltung blütenreicher Lebensräume einen wertvollen Beitrag leisten.

Tipp: Jeder kann helfen, die Vielfalt unserer Bestäuber zu erhalten, ob mit eigenen Bienenvölkern oder mit einem bienenfreundlich gestalteten Balkon und Garten.

Haben Sie eine Frage, die hier fehlt, oder einen Einwand? Schreiben Sie uns, wir sprechen gern darüber.

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